Zu neuen Ufern….
Einmal etwas anders machen im Herbst, weder zum Wörther- noch zum Starnberger See
fahren – das war die Intention der Männer-Masters-Achter Partie im Pirat (Besetzung:
Steuerfrau Julia, Hörmi, Arthur, Oliver, Bernd, Max, Joey, Fabian, Daniel) unter der Führung von
Chefantreiber Hörmi.
Das neue Ufer war bald entdeckt, und zwar im Norden, in Berlin, am Delfter Ufer. Dort sitzt an
der Kreuzung Treptow- Teltow-Kanal seit 1896 die Berliner Rudergesellschaft Wiking und
veranstaltet die Silbernen Riemen von Berlin; eine Regatta über 6,3 Kilometer für Achter und
Vierer. Gestartet wird in der Spree, unweit des sowjetischen Siegesdenkmals, bevor nach
knapp drei Kilometern beim Bootshaus der Treptower Rudergesellschaft in den Britzer
Verbindungskanal gebogen wird, der wird sozusagen ausgefahren, denn er mündet beim
Wiking-Bootshaus in den Treptow-Kanal. Hier befindet sich auch das Ziel. Die Strecke führt
entlang der idyllischen Spree ins mehr industriell geprägt Neukölln und die Strecke führt
vorbei an der – nicht mehr zu sehenden – Berliner Mauer. Unweit des Zieles etwa ist am
Kanal das Denkmal für den letzten an der Mauer erschossenen Menschen, ermordet im
Februar 1989…
Aber zurück zur Regatta: die silbernen Riemen sind nicht nur ein Langstreckenbewerb, mit
dem Zielsprint qualifiziert man sich für eine anschließende Sprint-Regatta über 250 Meter, die
nach einem kaum zu durchschauenden Modus ausgetragen wird. Das Wetter war durch den
steifen Westwind durchaus herausfordern, Wellen auf der Spree und massiver Gegenwind im
Kanal konnte das Team allerdings nicht davon abhalten, das andere gestartete Masters-Boot
auf Distanz zu halten bzw. abzuhängen. Im Sprint erreichten wird dann sogar den geteilten
dritten Platz und zwar gegen Rennmannschaften. Ein Kiste köstlichen Berliner Biers war der
Preis für diese Anstrengung; der Preis wurde sogleich seiner natürlichen Verwendung
zugeführt. Hervorzuheben ist die Gastfreundschaft der Berliner Wikinger, die uns einen
passablen Empacher als Leih-Boot zur Verfügung gestellt haben.
Bemerkenswert und aus österreichischer Sicht durchaus aus der Zeit gefallen: die Wikinger
sind bis heute ein reiner Herren-Club. Auch eine turbulente Jahreshauptversammlung vor
zehn Jahren hat daran nichts geändert. Allerdings gibt es hier eine funktionierende „Zwei-
Staaten- Lösung“: im Bootshaus hat nämlich auch die Neuköllner-Rudergesellschaft ihren
Sitz: die Mitglieder, ausschließlich Damen, die natürlich auch bei der Regatta teilgenommen
haben.
Summa Summarum: Berlin war eine Reise wert und auch wenn wir sehr stolz auf unsere Alte-
und Neue Donau sind, Berlin ist tatsächlich von ruderbaren Wasserstraßen durchsetzt,
flächendeckend!







Ein Bericht von Bernd M.

