Wanderfahrt Fulda - Weser

Werner Drobil | 30. Juli 2011

 

 

Rudergemeinschaft Donauhort, Pirat, Waging, Normannen

Nachdem im Vorjahr eine Rudergemeinschaft Donauhort, Pirat, Waging sich auf einer Donau­wanderfahrt nach Budapest bewährt hatte, gab es nun die zweite gemeinsame Tour.

Eine Piratgruppe war 2006 auf der Weser unterwegs – nach Beratung im Frühjahr mit unse­rem perfekten Organisator Bernhard entschieden wir uns für Fulda und Weser.

So trafen am Samstag, den 16. Juli dreizehn Teilnehmer in Hannoversch Münden beim Ruder­club ein und nach kurzem Stadtbummel ging es zum gemeinsamen Abendessen im Gasthaus „Dr Eisenbart“. Erfreulicherweise waren auch neue Namen dabei: beim Piraten mit den „Jungruderinnen“ Doris, Katharina und Sonja, die Wanderrudererfahrene Eva von den Nor­mannen, Alois aus Waging, Walter von den Normannen/Piraten und Gloria vom Donauhort waren dieses Jahr dabei. So ergab sich ein „Frauenüberschuß“, vor Jahren noch undenkbar!

 

Tag 1: Testfahrt auf der Fulda (38 km)

Es konnten alle Wanderfahrer rudern, weil ja eine zweite Nacht in Hannoversch Münden geplant war und kein Landdienst ge­braucht wurde. Bei trübem Wetter aber glattem Wasser ging es stromauf in Richtung Kassel. Für einige gab es nun eine erste Schleusung und alle hatten viel Spaß dabei. Ein Vierer kehrte schon früher um, der Rest der Gruppe ruderte noch zwei Staustufen weiter und erlebet dabei in Wahnhausen eine abenteuerliche Schleusung mit extrem starkem Wassereinstrom in die Kammer, ein Boot konnte sich an den vorgesehenen Halterungen nicht halten und wurde „abgerissen“. Diese Schleuse bekam den Spitz­namen „Schleusal“. Zeitweise gab es starke Regenschauer, die aber der Laune nichts anhaben konnten. Nach Bum­mel durch die Alt­stadt und Besichtigung des Wesersteins wurde im Rathauskeller aus­giebig gegessen und getrunken.

 

Tag 2: Hannoversch Münden - Beverungen (53 km)

Nach einer problemlosen Schleusung geht es bei sonnigem Wetter und guter Strömung flott dahin. Nach Be­sichti­gung des Klosters Bursfelde gab es eine Mittagspause nahe der Fährenanlege­stelle Lippoldsberg gestärkt rudern wir leider in eine Regenfront. Bei Wechsel von Sonne­schein und Regen wurde Beverungen geschafft und der Trockenraum des Ruderclubs hatte Hochbe­trieb. Bei guter Stimmung und einem humorvollen Wirt mit guter Köchin ging diese Etappe zu Ende.

 

Tag 3: Beverungen - Bodenwerder (59 km)

Ein wunderschöner Morgen versprach einen tollen Ru­dertag. Durch malerische Gegend mit viel Wald, Wiesen, Kühen, Pferden, Scha­fen und zeitweise totaler Stille ging es zur kulturellen Pause im Kloster von Cor­vey wurde dann nach Holzminden gerudert , wo der Landdienst ein Picknick im Grü­nen organi­siert hatte. Unser Ziel Bodenwerder wurde mühelos geschafft und in mei­nem Dreier mit Sonja und Kathi wurde wunderschön gesungen. Bodenwerder ist die Stadt von Ba­ron Münch­hausen und viele kleine Denkmäler erinnern an seine Lügen-geschichten.

 

Tag 4: Bodenwerder - Hameln (22km)

Diese Sprintetappe stellte keine große Her­ausforde­rung an die Crew und bereits um 13.00 Uhr trafen wir im wunderschönen, modernen Bootshaus im Ruderverein „Weser“ in Hameln ein. Im benachbarten Gast­haus gab es zum „Duft“ eines frisch gedüngten Feldes eine Stärkung, dann ging es in die Stadt. Die Rattenfängerstadt mit herrlichen Fachwerkbauten, dem Glockenspiel am Hochzeitshaus, den prächtigen Sandsteinbauten ist eine Reise wert und auch die Schleckermäuler kamen in einem sehr guten Eisgeschäft auf ihre Rechnung. Auf der Bootshausterrasse gab es eine Grillabend und unsere Damen servierten eine wunder­bare Brombeerbowle. Die Früchte hatten wir am Morgen noch in Bodenwerder selbst gesammelt und dann im Ruderverein perfekt angesetzt.

 

Tag 5: Hameln - Rinteln (34 km)

Am Vorabend nach dem Grillfest hatte ich im Club noch Helmut Griep (eh. DRV Präsident und Ehrenobmann RV Weser)getroffen, mit dem ich bei einer denkwürdigen Abendfahrt in Tuttendörfl Freundschaft geschlossen hatte. Helmut hatte eine Stadtführung für unsere Gruppe angeboten und nun fuhren wir also um 9.30uhr mit zwei Autos los. Zunächst begann die Führung mit einer Berg­fahrt auf den Klüt (ca. 350Meter) – ein interessanter Überblick, wenn auch leider dun­stig an diesem Morgen. Die anschließende Führung durch Hameln war dann wirklich sehr interessant, bis ein Muldentransporter den Vortrag doch störend unterbrach – ge­nau vor unserem am Vortag entdeckten Eisgeschäft! Nach Ende der Führung gab es noch Flaggentausch und es wurden Wiener Einer T-Shirts überreicht, schließlich be­kam ich noch für jeden Verein un­serer Gruppe eine 125 Jahre Festschrift geschenkt. Die gefürchtete Schleusung in Hameln (in 2006 hatten wir fast eine Stunde mit der Schleusenfrau gestritten) war diesmal ganz schnell fertig und bei zeitweise heftigem Gegenwind wurde der Doktorsee mit dem WSW Rinteln erreicht. Das neue Kantinen­pächter-Ehepaar zauberte ein wunderbares Abendes­sen auf den Tisch und zur Verdau­ung gingen wir noch zur Weser „Platteln“ lernen (mit flachen, runden Steinen).

 

Tag 6: Rinteln - Minden (37 km)

Ich nahm Katharina zum Fußsteuern unter meine Fitti­che, es gab leider Gegenwind und kühlere Temperaturen und so wurde ohne Ess­pause bis zum Mindener RV gerudert. Dort erwartete der Landdienst uns schon mit Köstlich­keiten. Mit Stadtbummel, Besichtigung des Mittelandkanals und Schiffmüh­lenbesich­tigung ging auch dieser schöne Rudertag zu Ende. Es gab wieder einen tollen Grillabend, am nächsten Morgen nahmen Traude, Katharina, Doris und ich Abschied vom Rest der Gruppe, für uns ging es an die Heimreise.

 

Tag 7: Minden - Nienburg (47km)

Die übrige Gruppe brach nun in Richtung Nienburg auf, Noch nie waren Piraten weiter als Minden gekommen, Werner hatte uns also nichts dazu berichten können. Der Himmel sah von früh an dramatisch aus, Son­nen­himmel wechselte mit bedrohlichen Wolken ab, konstant blieb ein ziemlich starker Wind. Landschaftlich sehr interessant kamen wir ans erste Kriterium -eine Treidel­strecke- nach ca. 20 km. Spannend, lustig, für manche von uns das erste Mal. Durch sehr nordisch an­mutende Landschaft ruderten wir oft gegen heftigen Wind zu einer angeblichen Boots­über­tragestelle (Schlüsselburg) . Diese stellte sich als echte Heraus­forderung dar, weil der starke Wind unsere Boote gegen das Schilf im 2 m „breiten“ Bootskanal drückte und wir die Stelle nur bewältigten, indem wir aus den Booten her­auskletterten und diese dann mit Skullunterstützung am Wasser bis zum Wagen scho­ben. Nach insgesamt 47 km hatte un­ser Landdienst eine akzeptable Landestelle in Landesbergen gefunden, wo wir dann die Boote auf den Bootsanhänger laden und nochmals in Minden übernachten konnten. Für mich war dieser letzte Tag ganz besonders eindrucksvoll, landschaftlich sehr nordisch und der Himmel immer dramatisch über uns, die Treidelstrecke und die spannende Übertra­gung eine Herausforderung, ein wunderbarer Abenteuertag! (Bericht Tag 7 von Eva R-W)

 

Es war eine selten harmonische und sehr lustige Woche und alle sind wohlbehalten nach Hause gekommen. Das billige Schlafen in den Bootshäusern hatte große Vorteile und man kann die paar Tage durchaus am Boden schlafen, vor allem , wenn man ein Nobelbett wie Peter (aufblasbar 2x2 Meter, 1/2 m hoch!) mit hat – wurde übrigens regelmäßig zum Vor-dem Abendessen-Schläfchen von einigen Frauen okkupiert.

 

Besonderer Dank gilt Bernhard für die Organisation und Traude für den Bootstransport von Wien nach Hannoversch Münden, an alle Teilnehmer, sowohl im Boot als auch für die Land­dienste und vor allem für die gute Stimmung während der ganzen Woche!

 

 

Ich freue mich jetzt schon auf die nächste gemeinsame Wanderfahrt!
Werner Drobil