Warum einer rudert?

Autor: DDr. Christoph Schmölzer / 4-facher Weltmeister

Man stelle sich einen jungen Menschen vor, sagen wir mal gerade 20 Jahre jung, in Wien beheimatet, der wollte was Sportliches tun. Aber was? Die Heroen der Medien fand man schon damals beim Fußball, in der Formel 1, beim Schifahren. Gut, die Trendsportarten waren seinerzeit nicht so trendig wie heute, aber auf dem Board ist man auch schon geskatet.

Also, alles probiert – beim Fußball passt, sagen wir mal, das Umfeld nicht so ganz, zum Tennis nicht talentiert genug, zum Judo zu wenig angeborene Aggression, beim Schwimmen ineffiziente Wasserlage, Laufen, ja das wär schon was. Es gab ja immerhin auch die Schülermeisterschaften im Wiener Stadion. Aber das schon damals höchst wirksame und selektive österreichische Ausleseverfahren für junge Sporttalente leitet den jungen Menschen genau dorthin, wo er am besten hinpasst.

Na ja, ganz so zufällig war`s nun auch wieder nicht. Es gab da einen, den Raimund Haberl, der sozusagen im Alleingang eine Sportart repräsentierte, von der man laudauf, landab nur wusste, dass man dazu Wasser und ein Boot braucht. Aber der Haberl war Weltmeister, und er war im „Sport am Montag“, und er hat beim Sporthilfe-Zehnkampf gute Figur gemacht. Vielleicht weniger beim Tanzen, aber wozu muss ein Ruderer schon tanzen können, bei den Bootshausfesten sind sowieso alle besoffen und richtig tanzen war nie „in“. Aber beim Klimmzug-Bewerb hat er`s allen gezeigt, da hat auch der Niki Lauda ganz schön alt ausgesehen. Da wusste es ganz Österreich:
Ein Ruderer, der hat Schmalz. Und später dann auf der Trabrennbahn, gelaufen ist der Raimund, eine Ausdauer wie ein Pferd.

 

Alles klar, der junge Mensch kommt zum Rudern!

So, die ersten Versuche im Boot. Was heißt Boot, ein Schlachtschiff, gedacht für 4 Mann Besatzung + 1 Steuermann, brauchte es ganze acht kleine Leute um dieses Monstrum aus der Bootshalle zu bewegen. Dafür wars stabil, wie sich, im Vergleich, erst später bei den ersten Schlägen im Einer, herausstellte. Und eine Gaudi wars, am wenigsten für den Trainer, der ums Material fürchtete. Aber was soll`s, wo gehobelt wird, da fliegen Späne. Damals jedenfalls, es war ja noch alles aus Holz. Heute splittert schon bei den Kleinen gelber Kunststoff.

Sapperlott, ein geiles Gefühl, wenn sie einem die erste Medaille um den Hals hängen, und auf der Tribüne klatschen Mami, Papi, Omi, Opi und............so zwei, drei andere halt noch, tobenden Beifall. So im Sog des Erfolges, kann beim jungen Athleten schon der Ehrgeiz reifen.


Citius – Altius – Fortius!

Schnell rudern zu können war aber nicht die einzige Motivation täglich zum Training zu fahren. Nein, da gab`s die vielen Samstage, die man nicht in der Schule sondern bei irgendeiner Regatta verbringen durfte – freilich ist es angenehmer und dazu auch viel bequemer, als in Kirche oder Schule festzusitzen auf dem Stuhle...........apropos, da waren ja auch noch die vielen Blödheiten, die man anstellen konnte, nein, musste, schließlich so sagt man, soll der Sport ja aufs richtige Leben vorbereiten. Und immer der ehernen Ruderer-Regel folgend: Viribus Unitis! Ja, so ein Ruderclub ist schon eine Lebensschule: man stelle sich nur einmal so einen Juliusturm vor (also der Pirat hat einen) .......ja, ja, Sonnenuntergänge gibt`s nicht nur am Meer und außerdem sind Sportler(innen) nicht unromantischer als Nichtsportler(innen), eine Tatsache, die empirisch belegt ist.

Nehmen wir einmal an, der junge Mensch blieb nun, Wickies Motto folgend, hartnäckig am Bündel dran, dann folgen dem ersten auch noch weitere Siege. Mit ein wenig Routine ist man dann auch noch gern gesehener Gast – Land der Flüsse, Land der Seen – bei einer der vielen, reizvollen Wanderfahrten.

Nehmen wir einmal an, die Hartnäckigkeit steigert sich beim jungen Menschen zur Sturheit, dann ist vielleicht ein Österreichischer Meistertitel auch noch drin. Wird der Manie dann schließlich freier Lauf gelassen, kann`s schon passieren, dass sie einen zu den Weltmeisterschaften und zu den Olympischen Spielen schicken. Und wie am Anfang freuen sich Mami, Papi, Omi, Opi und, falls zwischen all der Hartnäckigkeit, der Sturheit, der Manie und dem Training noch Zeit bleibt, der (die) Freund(in).

Und? Fragt man sich jetzt, warum rudert einer denn jetzt wirklich?

 

Na ja, man kann es eigentlich nicht erklären, man muß es selbst erleben um es wirklich verstehen zu können!

Hinweis: Dr. Christoph Schmölzer, jüngstes Ehrenmitglied des WRC-Pirat, wurde in den Neunziger Jahren der bekannteste und gemeinsam mit seinen Ruderkameraden Walter Rantasa, Gernot Faderbauer und Wolfgang Sigl der erfolgreichste Ruderer Österreichs. Christoph wurde 4 x Weltmeister, 2 x Vizeweltmeister, 1 x Dritter bei Weltmeisterschaften, nahm 1996 an den Olympischen Spielen in Atlanta teil und errang unzählige weitere Siege bei nationalen und internationalen Ruderregatten.

Warum ? Weil er eine lange, lange Zeit seines Lebens nur trainierte und nie aufgehört hat, vielleicht auch nicht aufhören konnte, zu rudern; denn wie Christoph selbst schreibt:

 

RUDERN IST MEHR, VIEL MEHR ALS NUR EINE SPORTART!

 

 

 

Die Bedeutung des Ruderns

Autor: Ing. A. Löblich

Überlegungen zur Bedeutung des Rennruderns in der modernen Gesellschaft

Für den Ruderer
Vorteile des Leistungssportlers durch Training und Wettkampf beim Rennrudern

Für die Eltern
Wettkampf als Anreiz zur systematischen körperlichen Betätigung der Jugendlichen

Für den Politiker
Sport als Faktor der Volksgesundheit, sollte stark durch die Öffentlichkeit gefördert werden

 

Vorteile des Leistungssportlers durch Training und Wettkampf beim Rennrudern

a) Verbesserung der körperlichen Eigenschaften (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Technik)

b) Verbesserung der Charaktereigenschaften (Selbstdisziplin, Willenskraft, Kameradschaft)

c) Verbesserung der geistigen Eigenschaften (Konzentrationsfähigkeit, Übersicht, Körperkontrolle, Rhythmusgefühl)

d) Erfahrung extremer Situationen wie Sieg, Niederlage, Startfieber, Wettkampf

e) Steigerung des Selbstbewusstseins durch objektive Erfolge bis hinauf zum Olympiasieg.

f) Austoben des Leistungs- und Bewegungsdranges, Abbau von Aggressionen, nervliche Entspannung

g) Mannschaftserlebnisse auf Reisen zu Regatten und auf Trainingslagern. Spaß, wenn der „Schmäh rennt“. Hochgefühl, „wenn das Boot läuft“.

h) Erleben der Natur. Freude am einfachen Leben. Bildung eines zweiten „Zuhause-Bewußtseins“ im Club.

 

8er

Diese Aufzählung ist nur beispielsweise und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Bedeutung der einzelnen Punkte ist sicher individuell verschieden. Fad ist es im Training jedoch bestimmt nicht. Die Zeit wird so knapp, dass gut eingeteilt werden muss. Interessanterweise kann man feststellen, dass erfolgreiche Rennruderer in ihrem Berufsleben auch überdurchschnittlich erfolgreich sind. Es dürfte daran liegen, dass durch den Leistungssport Personen mit bestimmten Anlagen ausgelesen und diese Anlagen durch das Leistungstraining noch verstärkt werden.



Wettkampf als Anreiz zur systematischen körperlichen Betätigung der Jugendlichen

Mit dem Argument – Sport fördere die Gesundheit, die körperliche, geistige und soziale Entwicklung – wird man kaum einen Jugendlichen dazubringen, seine Zeit, statt in rauchigen Lokalen oder vor dem Fernseher, bei einem sportlichen Training zu verbringen. Dazu ist die Zielsetzung des Wettkampfes notwendig, der einen entsprechenden Prestigegewinn verspricht und in dem man zeigen kann, welch ganzer Kerl man ist. Zeitung und Fernsehen präsentieren wohl Vorbilder, sind aber einseitig auf Fußball und Schilauf ausgerichtet, vermutlich weil dort die wirtschaftlichen Interessen im Spiel sind. Rudern bietet natürlich für den Zuschauer keine gefährlichen Szenen, was ich für den Ausübenden als Vorteil bezeichnen möchte. Es gibt keine Punktewertungen, wie in anderen Sportarten, die zu Skandalen führen. Es können in einem Rennen nur die echten Stärkeverhältnisse auf faire Weise zum Ausdruck kommen, was für die Massenmedien nur beschränkt von Interesse ist.

Nur wer durch systematisches Training in Topform gekommen ist, kennt diesen Zustand gehobenen Wohlbefindens und hoher Leistungsbereitschaft. Die anderen wissen nicht, was sie versäumen. Durch den Einsatz der gesamten Muskulatur beim Rudern findet man selbst unter Spitzenruderern keine Sportkrüppel mit einseitig entwickeltem Körper.

Durch die schwere Ersetzbarkeit eines Ruderers in einer zusammengespielten Mannschaft und durch die notwendige gegenseitige Rücksichtnahme kommt es zu einer besonderen Art von Kameradschaft, die in der heutigen Zeit der Bindungslosigkeit und der Kontaktarmut recht selten ist. Eine Erfahrung für die Jugendlichen, die sie im späteren Leben kaum zu gesellschaftlichen Außenseitern werden lässt. Die Überwindung der inneren Trägheit ist nur Nebeneffekt imTraining und bringt bei Anwendung auf anderen Gebieten die nötige Härte gegen sich selbst mit, die für den Erfolg im Studium und Beruf notwendig ist. Die erworbene sportliche Lebensauffassung veranlasst viele Ruderer nach Beendigung der rennsportlichen Laufbahn regelmäßig Sport zu betreiben. Wanderruderer – mit einem Lebensalter von 60 – 80 Jahren – sind auf unseren Gewässern, besonders auf der Donau, keine Seltenheit.



Sport als Faktor der Volksgesundheit, sollte stark durch die Öffentlichkeit gefördert werden

Es ist unbestritten, dass Leistungssport und Breitensport von einander abhängen und sich gegenseitig bedingen. Die eine Art liefert Anreiz und Vorbild, die andere Art die Entwicklungsbasis. Eine Grenze zu ziehen oder einen Vorrang festzulegen, ist daher nicht notwendig.
Die allgemeinen sportlichen Werte für Körper und Charakter sind beim Rudern als Mannschaftssport von einer hohen erzieherischen Wirkung begleitet. Es ist auch möglich, dem jungen Sportler zu zeigen, dass die erworbenen Fähigkeiten und Verhaltensweisen in Schule und Beruf anwendbar sind. Die Struktur des Leistungsaufbaues und die Situation der Leistungserstellung sind meist sehr ähnlich (Training – Lernen, Startfieber – Prüfungsangst, Mannschaft – Arbeitsgruppe oder Team).

Rudern bietet mehr Vorteile für die Entwicklung einer harmonischen Persönlichkeit, als viele andere Sportarten. Als Ganzkörpersport, in freier Natur, für jedes Lebensalter, mit hoher Vermittlung an menschlichen Kontakten hat er durch die großen Erfolge zur Steigerung unseres Nationalprestiges beigetragen.

Die Errichtung und Erhaltung eines Sportvereines kostet sicher weniger Geld, als die eines Spitalbettes. Vorbeugen ist besser als heilen. In einer Zeit, in der sich die Belastung bei der Arbeit vom körperlichen auf den geistig-nervlichen Bereich verlagert hat und in der während der Freizeit vorwiegend Gaspedal und Fernseher betätigt werden, ist die Gesundheit ohne Sport ernsthaft in Gefahr. Die Verkümmerung des Körpers durch die Segnungen der Zivilisation und die Verhinderung der positiven Auslese durch die moderne Medizin zeigt, dass der Mensch in seinem Bestreben, sich von der Natur zu entfernen, Erfolge erzielt.

Die Förderung des Sports sollte jedenfalls den Erziehungs- und Gesundheitspolitikern eine der wichtigsten Aufgaben sein.